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Auch wenn es in Selbstverteidigungssituationen augenscheinlich rein körperlich zugeht, ist die psychische Komponente auf keinen Fall zu vernachlässigen. Nicht nur, dass sich eine vollkommen eingeschüchterte oder vor Angst erstarrte Person kaum effektiv wehren kann, viele Aggressoren lassen von einer Person bereits ab, wenn sie sich selbstsicher gegen erste Provokationen behauptet und Stärke ausstrahlt. Welche Rolle spielt die Psychologie im Ernstfall und wie kann dieser Aspekt effektiv zur Verteidigung genutzt werden?

Opfersignale

Wichtig zu wissen ist, dass der typische Angreifer keinen starken Gegner sucht. Egal ob auf der Straße oder in bekanntem Umfeld – üblicherweise suchen Gewalttäter Opfer und keine stark wehrhaften Gegner zum sportlichen Messen. Hierbei macht es zwar sicherlich einen Unterschied, ob es sich um einen Überfall aus materiellen Beweggründen, einen sexuellen Übergriff oder langfristigen körperlichen Missbrauch in den eigenen vier Wänden handelt. Im Allgemeinen ist es aber die schlechteste Wahl, sich selbst mit den Signalen, die ausgesendet werden, als Opfer darzustellen und sich im Schlimmstfall gar nicht zu behaupten.

Selbst im kleineren und subtileren Maße sind diese Signale relevant. Wird eine Person häufig bei verschiedenen Arbeitsplätzen gemobbt oder findet sich allgemein regelmäßig als Opfer psychologischer Angriffe in diversen sozialen Situationen wieder, kann dies auch mit der Haltung und Ausstrahlung der Person selbst zusammenhängen. Dieser Umstand ist eine unangenehme Realität, mit der betroffene Personen selten gerne konfrontiert werden. Das Positive daran ist, dass jeder es somit zu guten Teilen selbst in der Hand hat, dieses Problem zu lösen.

Opfersignale mittels der Augen

Eine unnatürliche, von Angst geprägte Art mit Blickkontakt umzugehen, sendet häufig Signale von Unsicherheit. Dazu gehört vor allem das sofortige Abwenden des Blickes nach unten, sobald in andere Augen geschaut wird. Diese unterwürfige Geste lädt potentielle Aggressoren dazu ein, einer vermeintlich schwachen Person weiter auf den Grund zu gehen und Grenzen auszutesten. Wird dann nicht entsprechend reagiert, kann ein körperlicher Angriff folgen.

Eine große Wissenschaft um den richtigen Umgang mit Blickkontakt ist gar nicht notwendig. Ein kurzes Halten des Blickes bei Erwidern reicht vollkommen aus. Normal fühlt sich alles um etwa eine Sekunde an, nach der man sich wieder anderweitig umschaut. So entsteht der Eindruck einer gewissen Grundwachsamkeit dieser Person ohne verdächtige Auffälligkeiten. Ein langes Niederstarren ist weder nötig, noch zielführend und kann wiederum selbst als Provokation aufgefasst werden.

Opfersignale mittels der Körperhaltung

Im Zusammenhang mit dem Blick ist auch die Körperhaltung relevant. Hier gilt ganz grob als Richtlinie, dass offen als selbstsicher und geschlossen als unsicher oder ängstlich wahrgenommen wird. Nach vorne gerichtete, zusammenfallende Schultern, eine wenig aufrechte Haltung, verschränkte Arme, die sich am Rumpf festhalten, ein nach unten eingezogener Kopf und Hände, die komplett in den Hosentaschen versteckt sind sind Beispiele für eine negative Körperhaltung. All dies kann den Eindruck eines leichten Opfers erwecken, das bei der kleinsten Bedrohung in sich zusammenzuckt.

Vorteilhafter ist eine insgesamt aufrechte, offene Haltung, die aber natürlich bleiben soll und nicht künstlich überspitzt dominant. Eine mentale Hilfestellung dafür ist die Vorstellung, dass der Kopf an einem Seil leicht nach oben gezogen wird und die Schulterblätter in hintere Hosentaschen gesteckt werden. Man hält sich so automatisch viel eher gerade, zeigt aufgeschlossen seine Brust und zieht die Schultern nach hinten. Die Hände werden üblicherweise offen gezeigt und die Arme nicht verschränkt. Wer nichts mit seinen Händen anzufangen weiß und sie ab und zu gerne in Taschen steckt, kann seine Daumen aus der Tasche herausnehmen. Nur eine sehr subtile Veränderung, die aber bereits wesentlich souveräner wirkt.

Abseits von Verteidigungssituationen hilft eine gute Körperhaltung außerdem, insgesamt einen besseren Eindruck zu machen. Dies kann in diversen privaten Szenarien oder auch im Beruf ein unschätzbarer Vorteil sein. Die Arbeit an einer positiven Körperhaltung, die Selbstsicherheit und Souveränität ausstrahlt, lohnt also in jedem Fall.

Entstehung und Herkunft von Opfersignalen

Woher die Opferhaltung kommt, kann im Einzelnen individuell äußerst verschieden sein. Bereits in der Kindheit kann sich hier eine Tendenz manifestieren, weil das Elternhaus, Geschwister oder weitere Verwandtschaft unterdrückender Natur war. Später in der Schule kann langanhaltendes Mobbing zu einer Opferhaltung führen. Auch später im Beruf oder langjähriger häuslicher Missbrauch und Unterdrückung kann den Selbstwert stark einschränken.

Wichtig zu wissen ist nur, dass niemand sich aufgeben muss und man diesen Verhaltenstendenzen nicht ausgeliefert ist. Alles ist veränderbar. Es kann zu jedem Zeitpunkt angefangen werden, an seiner Selbstsicherheit zu arbeiten, ein mental stärkerer Mensch zu werden und sich im Ernstfall selbst zu behaupten. Jeder kann lernen, potentielle Aggressoren präventiv durch die entsprechende Ausstrahlung eher abzuwehren.

An der eigenen Selbstsicherheit arbeiten

Die offensichtlichste Antwort, um mehr Selbstbehauptung zu erlangen, ist das Erlernen von Kampfsport oder einer Kampfkunst. Die Effektivität dieses Lernaufwands hat mehrere Gründe. Zuallererst werden die vorigen Aspekte ideal geschult. Sportliche Bewegung und ein umfassendes Training sorgen für eine bessere Körperhaltung, die Kraft ausstrahlt. Ein sicherer Blickkontakt ist zur Verteidigung im Training und im Sparring ebenso notwendig und wird schnell zur Selbstverständlichkeit. Zusätzlich wird natürlich gelernt, wie die aktive Verteidigung im Falle des Falles funktioniert. Diese Gewissheit verschafft innere Ruhe und hilft, anderen Menschen ausgeglichener zu begegnen. Die Ausstrahlung bessert sich also alleine durch das Training einer Kampfkunst automatisch.

Um an sich zu arbeiten, kann es zusätzlich Sinn machen, sich weiteren Unsicherheiten zu stellen. Hierzu kann beispielsweise ein arg schmächtiger Körperbau gehören, welcher sich durch entsprechendes Functional Training verändern lässt.

Alles was hilft, um sich besser, sicherer und ausgeglichener zu fühlen, kann letztendlich also auch einen entscheidenden Unterschied machen, wenn es darum geht, sich gegen einen Angreifer zu behaupten. Im Idealfall kommt es so zu keiner Auseinandersetzung und das Ziel der eigenen Unversehrtheit wurde mühelos erreicht.

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