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Bis die Security da ist: Warum Gewaltprävention im direkten Kundenkontakt entscheidet

Ein aktueller Fall aus Köln macht sichtbar, was Verantwortliche im deutschen Einzelhandel 2026 längst spüren:
In der Opern-Passage denkt ein REWE-Betreiber offen über Schließung nach, weil der Markt ohne permanenten Sicherheitsdienst kaum noch zu betreiben ist. Steigende Ladendiebstähle, aggressive Vorfälle und ein raueres Klima rund um den Appellhofplatz belasten die Teams massiv.

Doch Köln ist kein Einzelfall es ist ein Symptom einer bundesweiten Entwicklung. Gewalt, Bedrohung und verbale Entgleisungen gehören für viele Beschäftigte im Handel, in Ämtern, am Flughafen KRITIS und im Nahverkehr inzwischen zum Alltag. Die zentrale Frage lautet: Wie schützen wir Menschen im direkten Kundenkontakt, bevor Situationen eskalieren und bevor die Security überhaupt vor Ort sein kann? Untermauert wird diese Beobachtung durch die aktuelle EHI-Studie „Inventurdifferenzen“, die neben Rekordverlusten (ca. 4,2 Mrd. Euro allein durch Diebstahl) vor allem eine spürbar sinkende Hemmschwelle und steigende Aggressivität gegenüber dem Personal im unmittelbaren Servicekontakt bestätigt.


Bundesweite Realität: Druck auf Teams im Einzelhandel

Der Fall in Köln steht exemplarisch für eine Entwicklung, die sich quer durch die Republik zeigt. In vielen
Städten berichten Filialleiter, Marktbetreiber und Center-Manager von denselben Mustern: mehr Konflikte,
mehr Respektlosigkeit, mehr Grenzüberschreitungen.Laut Polizeilicher Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts erreichte die Gewaltkriminalität in Deutschland zuletzt einen neuen Höchststand. Die PKS des BKA zeigt: Die Hemmschwelle für körperliche und verbale Gewalt sinkt, und Konflikte verlagern sich zunehmend in öffentliche und halböffentliche Räume – also genau dorthin, wo Beschäftigte im Einzelhandel tagtäglich im direkten Kundenkontakt stehen.
Typische Trends im Handel sind unter anderem:

  • Zunahme von Ladendiebstählen, häufig verbunden mit aggressivem Auftreten.
  • Mehr verbale Übergriffe, Beleidigungen und Drohungen gegenüber Personal an Kassen und Servicepunkten.
  • Höhere psychische Belastung, vermehrte Krankmeldungen und innere Kündigung.

Damit wird Gewaltprävention nicht nur zu einer Sicherheitsfrage, sondern zu einem klaren Thema der
Organisationsverantwortung: Wie schaffen Unternehmen Rahmenbedingungen, in denen
Mitarbeitende handlungsfähig bleiben, ohne selbst zum Risiko zu werden?


Warum Security allein nicht reicht

Security ist wichtig. Sie schafft Sichtbarkeit, schreckt ab und gibt ein Gefühl von Grundsicherheit. Aber: Die Security löst nicht die entscheidenden 30 bis 90 Sekunden, in denen eine Situation kippt. In dieser Zeit entscheidet sich:

  • Wird die Lage deeskaliert – oder eskaliert sie weiter?
  • Bleibt der Mitarbeiter handlungsfähig – oder friert er ein („Freeze“)?
  • Kann ein sicherer Rückzug organisiert werden – oder wird daraus ein traumatisches Erlebnis?

Sicherheit darf kein Bauchladen sein, in dem man einzelne Maßnahmen unverbunden einkauft. Was fehlt, ist ein geschlossener Handlungskreislauf, der in die gesetzliche Gefährdungsbeurteilung integriert ist.


Der Handlungskreislauf der Gewaltprävention im Einzelhandel

Ein wirkungsvoller Ansatz beginnt nicht im körperlichen Eingreifen, sondern deutlich früher – in Wahrnehmung,
Kommunikation und mentaler Selbstführung. Ein praxistauglicher Handlungskreislauf umfasst mindestens vier
Elemente:

  1. Wahrnehmung & Früherkennung:
    Mitarbeitende lernen, Risikokonstellationen zu lesen, bevor sie eskalieren: Körpersprache, Tonlage,
    Gruppendynamiken und typische Muster an Hotspots wie Kassen, Eingängen oder Selbstbedienungskassen.
    Wer früh erkennt, kann früher handeln – und muss seltener kämpfen.
  2. Verbale Deeskalation:
    Professionelle Deeskalationstechniken geben Mitarbeitenden klare sprachliche Werkzeuge: Wie formuliere
    ich Grenzen? Wie bleibe ich ruhig, ohne schwach zu wirken? Wie steuere ich ein Gespräch aus der
    Eskalationsspirale heraus? Ein strukturiertes Deeskalationstraining sorgt dafür, dass im Ernstfall
    nicht spontan „irgendwie reagiert“ wird, sondern auf erprobte Muster zurückgegriffen werden kann.
  3. Mentale Selbstführung – das Gladiator Mind:
    Unter Stress wird der Kopf eng. Viele Menschen fallen in den Freeze: Sie wissen, was sie tun sollten,
    können es aber nicht abrufen. Genau hier setzt das Gladiator Mind an: Mitarbeitende
    trainieren, unter Druck klar zu denken, in Szenarien mental präsent zu bleiben und ihre eigenen Grenzen
    zu erkennen. Ziel ist nicht Härte um jeden Preis, sondern innere Stabilität  damit Entscheidungen in
    den ersten 30 bis 90 Sekunden bewusst getroffen werden, statt reflexartig.
  4. Eigenschutz & Distanz:
    Wenn eine Situation kippt, steht nicht mehr das „Recht behalten“ im Vordergrund, sondern der körperliche
    und psychische Eigenschutz. Dazu gehören: kontrolliertes Distanzmanagement, Schutzpositionen,
    Ausstiegsstrategien aus der Situation und die Fähigkeit, Hilfe gezielt zu aktivieren (Security, Polizei,
    Kollegensystem). Es geht darum, sich aus der Affäre zu ziehen, ohne die eigene Gesundheit aufs Spiel zu
    setzen.


Wichtig: Ein Mitarbeiter ist nicht dafür eingestellt, Gewalt mit Gewalt zu lösen. Im Mittelpunkt steht
Handlungssicherheit im Selbstschutz  der Schutz von Leben, Gesundheit und psychischer Stabilität.


Die Tageskurs-Illusion: Warum Sicherheit ein Prozess ist

Nachhaltigkeit statt Eintagsfliege: Den Teufelskreis durchbrechen

Ein einzelner Seminartag ändert keine tief verankerten Verhaltensmuster unter Stress. Echte Gewaltprävention braucht Nachhaltigkeit durch regelmäßige Wiederholung und die feste Einbindung in die Unternehmenskultur. Nur durch stetiges Training werden Handlungsabläufe so verankert, dass sie im Ernstfall intuitiv abrufbar sind.

Wer weiß, wie er sich rechtzeitig Hilfe holt oder den professionellen Rückzug antritt, schützt seine psychische Gesundheit und durchbricht den sogenannten „Stress-Loop“. Damit meinen wir jenen Teufelskreis, der oft schon lange vor der eigentlichen Schicht beginnt:

  • Körperliche Reaktionen im Vorfeld: Das flaue Gefühl im Magen oder die schlaflose Nacht bei dem Gedanken: „Morgen muss ich wieder hin. Hoffentlich passiert diesmal nichts.“

  • Die Last der Erzählungen: Presseberichte über Übergriffe oder Erzählungen von Kollegen, Freunden und Verwandten verstärken die eigene Angst, selbst wenn man noch nicht persönlich betroffen war.

  • Die Abwärtsspirale: Diese ständige Erwartungsangst führt zu chronischer Anspannung. Die Folge sind häufige Krankmeldungen, innere Kündigung oder die Flucht in einen anderen Beruf.

Nachhaltiges Training minimiert diese Hilflosigkeit durch echte Handlungssicherheit.. Es gibt dem Mitarbeiter das Werkzeug an die Hand, um nicht mehr „Opfer der Umstände“ zu sein, sondern aktiv für den eigenen Schutz zu sorgen. So bleibt das Team gesund, motiviert und langfristig einsatzfähig.


Gladiator Mind, Organisation und Verantwortung

Gewaltprävention im Einzelhandel ist kein „Nice to have“, sondern Teil verantwortungsvoller
Unternehmensführung. Besonders an Brennpunkten in Großstädten, aber zunehmend auch in mittelgroßen
Innenstädten, brauchen Teams mehr als nur eine Notrufnummer und eine Security-Präsenz.

Ein moderner Ansatz verbindet:

  • strukturiertes Deeskalationstraining,
  • mentale Selbstführung durch Gladiator Mind,
  • klare Prozesse im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung,
  • eine Kultur, in der Rückzug und Hilfe holen als professionelles Handeln gelten.

So entsteht eine Sicherheitskultur, in der Security ein Baustein ist – aber nicht die einzige Antwort.


Gewaltprävention sichert Menschen, nicht nur Flächen

Der Kölner REWE-Fall zeigt: Security sichert Räume, aber Gewaltprävention sichert Menschen. Bundesweit
stehen Unternehmen im Einzelhandel vor derselben Herausforderung: Wie bleiben Teams handlungsfähig, ohne
in ständiger Alarmbereitschaft zu leben?

Wer seine Mitarbeitenden durch einen klaren Handlungskreislauf, mentale Stärke (Gladiator Mind) und
praxistaugliche Selbstschutz-Strategien stärkt, schafft eine Umgebung, in der Arbeiten wieder als sicher
und sinnhaft erlebt werden kann – trotz aller Herausforderungen im öffentlichen Raum.IHK-zertifizierter Gewaltpräventions-Spezialist mit über 25 Jahren Erfahrung in Risiko-Bereichen. Entwickler der

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Über den Autor

Günther Pfeifer

IHK-zertifizierter Fachkraft für Gewaltpräventions mit über 25 Jahren Erfahrung in Risiko-Bereichen. Entwickler der Gladiator Mind-Methodik, die stoische Philosophie mit moderner Neurowissenschaft verbindet. Spezialisiert auf Behörden, KRITIS, Jobcenter, Kliniken, Rettungsdienst, ÖPNV, Einzelhandel, und Flughäfen.

Ich bin Praktiker, kein Forscher. Meine Aufgabe ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse in tragfähige Konzepte für reale Einsatzsituationen zu übersetzen als Architekt, der die richtigen Fachleute zusammenbringt. Wo mein Wissen endet, beginnt mein Netzwerk.

Meine Arbeit basiert auf der Überzeugung, dass der Mensch im Mittelpunkt jeder wirksamen Gewaltprävention stehen muss. Nur wer seine eigene Stressphysiologie versteht und seinem Bauchgefühl vertraut, kann unter Druck souverän bleiben, deeskalierend auftreten  und sich flexibel an die Dynamik der Situation anpassen, wenn Standardroutinen nicht mehr greifen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und Sensibilisierung für Themen des Selbstschutzes und der Gewaltprävention aus Sicht eines Fachberaters. Er stellt keine Rechtsberatung dar und kann eine individuelle juristische Beratung im Einzelfall nicht ersetzen.

Foto von Eduardo Soares auf Unsplash