Selbstschutz im ÖPNV: Handlungssicherheit für Behörden und Unternehmen
Übergriffe im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sind für Verkehrsbetriebe,
Sicherheitsdienstleister und Behörden längst kein Randthema mehr. Entscheidend ist dabei nicht,
ob Mitarbeitende eine bestimmte Technik beherrschen, sondern ob sie in der Realität
unter Druck handlungsfähig bleiben in engen Räumen, unter Beobachtung
und bei hoher emotionaler Ladung.
In fast jedem Training sehen wir dieselbe Stressreaktion: Der Puls steigt, der Tunnelblick setzt ein –
und theoretisches Wissen ist plötzlich nicht mehr abrufbar. Genau hier trennt sich Theorie von Praxis.
Der entscheidende Faktor: Mentale Steuerung
Aus meiner Trainingspraxis mit Teams im Behörden- und B2B-Umfeld zeigt sich immer wieder:
Technische Abwehr ohne mentale Steuerung versagt im Ernstfall oft. Wenn Stressdominanz übernimmt,
bricht jedes Muster ab, das nicht als sauberes Handlungsschema verankert ist.
Um die Sicherheit der Teams langfristig zu garantieren, muss Selbstschutz als Teil des Arbeitsschutzes
verstanden werden – und zwar dort, wo Mitarbeitende realen Eskalationen begegnen: im Kontakt mit Kundschaft,
Fahrgästen und Öffentlichkeit. Genau dazu passt mein Beitrag Arbeitsschutz: Gewaltprävention & Selbstschutz im Kundenkontakt
– als Grundlage dafür, was moderne Gewaltprävention im ÖPNV leisten muss.
- Prävention vor Kontakt (Wahrnehmung, Frühwarnsignale, Distanz)
- Mentale Stabilität (kein Mitgehen, klare Kommunikation, Präsenz)
- Eskalationsschema (kontrolliert beenden statt Aktionismus)
- Rechtliche Leitplanken (Notwehr / Verhältnismäßigkeit – keine Rechtsberatung)
Die typische Lage: Ein überfüllter Bus, ein Fahrgast ohne Ticket, aggressive Beschimpfungen und andere Fahrgäste filmen mit dem Smartphone. In diesen Sekunden entscheidet sich, ob Mitarbeitende in reaktive Muster fallen oder den Handlungskreislauf professionell steuern, um die Lage zu klären. Genau dazu passt mein Fachartiekel → Handlungskreislauf bei Gewalt gegen Mitarbeitende
1) Prävention: Selbstschutz beginnt vor dem Kontakt
Echter Selbstschutz startet, bevor eine Situation eskaliert. Ziel ist nicht Konfrontation, sondern frühe Risikoreduktion.
- Wahrnehmungsschulung: Raum, Dynamik, Personen und Fluchtwege müssen aktiv trainiert werden –
statt sich auf ein diffuses „Gefühl“ zu verlassen. - Intuition als Frühwarnsystem: Das Bauchgefühl ist kein Mythos, sondern ein neurobiologisches Warnsignal. Wir trainieren, dieses Signal zu prüfen und in klare Maßnahmen zu übersetzen. Das ist zentral, um Ängste im Arbeitskontext zu reduzieren.→ dazu mehr Arbeitsplatz-Angst effektiv stoppen
2) Gladiator Mindset: Mentale Stabilität als Einsatzfaktor
Im ÖPNV entscheidet die innere Verfassung über die Außenwirkung.
Das Gladiator Mind bildet hier das Fundament für professionelles Auftreten.
→ Gladiator Mind: Warum echte Gewaltprävention im Kopf beginnt
- Emotionale Distanz: Deeskalation gelingt nur, wenn Mitarbeitende innerlich stabil bleiben.
Wir arbeiten gezielt an der Auflösung negativer Stress-Loops und einschränkender Glaubenssätze,
damit unter Druck kein „Freeze“ entsteht.→ Stress-Loop & Glaubenssätze: Warum Mitarbeitende unter Druck einfrieren
- Präsenz & Kommunikation: Ein ruhiges, bestimmtes Auftreten reduziert die Eskalationswahrscheinlichkeit deutlich besonders unter Beobachtung durch Dritte.
3) Eskalationsmanagement: Handlungssicherheit statt Aktionismus
Wenn Deeskalation nicht mehr greift, geht es um das kontrollierte Beenden der Gefahr mit minimalem Risiko für alle Beteiligten.
- Stressresistenz in der Enge: Abläufe werden so trainiert,
dass sie auch bei Lärm, Enge und unter Beobachtung funktionieren. - Taktische Distanzierung: Priorität hat der Eigenschutz und das Herstellen sicherer Distanz.
Ziel ist Eigenschutz und der Schutz Unbeteiligter – nicht Konfrontation oder „Gewinnen“. - Resilienz als Sicherheitsfaktor: Gerade für Behörden und KRITIS-Unternehmen ist psychische und
physische Resilienz ein relevanter Sicherheitsfaktor.→ Resilienz & Gewaltprävention in Behörden
- Rechtssicherheit: Maßnahmen werden strikt im Rahmen von Notwehr und Verhältnismäßigkeit geschult.
(Hinweis: keine Rechtsberatung – sondern praxisnahe Orientierung im Rahmen der Ausbildung.)
Fazit für Schulungsverantwortliche
Moderne Gewaltprävention im ÖPNV ist weit mehr als ein Technikkurs. Sie verbindet Prävention, mentale Stabilität und ein klares Eskalationsschema. So stellen Sie sicher, dass Mitarbeitende in kritischen Momenten nicht „irgendwas“ tun, sondern kontrolliert und professionell handeln auch unter dem Druck von Kameras und Öffentlichkeit.
Investieren Sie in Sicherheit, die nicht nur auf dem Papier existiert, sondern unter echtem Druck standhält.
Alle Zielgruppen im Detail
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1. ÖFFENTLICHER DIENST & BEHÖRDEN
1.1 Rathaus / Stadtverwaltung
- Mitarbeiter Bürgeramt (Meldewesen, Ausweise, Zulassung)
- Mitarbeiter Sozialamt (Leistungsbewilligungen, Antragsbearbeitung)
- Mitarbeiter Standesamt (Eheschließungen, Beurkundungen)
- Kassenbereich (Gebührenerhebung, Zahlungsverkehr)
- Empfang / Pforte (Erste Anlaufstelle, Besucherlenkung)
- Führungskräfte (Amtsleiter, Dezernenten)
1.2 Ordnungsamt
- Außendienst (Parkraumüberwachung, Ruhestörungen, Gewerbekontrollen)
- Vollzugsdienst (Zwangsräumungen, Beschlagnahmen)
- Gemeindlicher Vollzugsdienst (GVD) (Streifendienst, Platzverweise)
- Sachbearbeiter Innendienst (Bußgeldbescheide, Telefonkontakt)
1.3 Jobcenter / Arbeitsagentur
- Leistungssachbearbeiter (Antragsbearbeitung, Bewilligungen)
- Arbeitsvermittler (Beratungsgespräche, Maßnahmenzuweisungen)
- Fallmanager (Langzeitbetreuung, Integrationshilfe)
- Empfang / Sicherheitsdienst (Einlasskontrolle, Erstdeeskalation)
- Führungskräfte (Teamleiter, Geschäftsführung)
1.4 Finanzamt
- Veranlagungsstelle (Steuerbescheide, Rückforderungen)
- Vollstreckungsstelle (Pfändungen, Zwangsvollstreckung)
- Publikumsservice (Beratung, Infostelle)
1.5 Ausländerbehörde
- Sachbearbeiter Aufenthaltsrecht (Visa, Aufenthaltstitel, Abschiebungen)
- Duldungsstelle (Beratung in Krisensituationen)
1.6 Jugendamt
- Allgemeiner Sozialdienst (ASD) (Hausbesuche, Inobhutnahmen)
- Pflegekinderdienst (Krisenintervention bei Pflegefamilien)
- Beistandschaften (Unterhaltsangelegenheiten, Konflikteltern)
1.7 Wohnungsamt
- Wohnungslosenbetreuung (Notunterkünfte, Zwangseinweisungen)
- Zwangsräumungen (Begleitung Vollzugsdienst)
2. GESUNDHEITSWESEN
2.1 Krankenhaus – Stationärer Bereich
- Pflegekräfte Normalstation (Grund- und Behandlungspflege)
- Intensivpflege (Beatmung, Reanimation, Angehörigengespräche unter Stress)
- Stationsärzte (Visiten, Aufklärungsgespräche, Angehörigenbetreuung)
- Stations-/Pflegedienstleitung (Führungsverantwortung, Teamsicherheit)
2.2 Notaufnahme / Rettungsstelle
- Pflegekräfte ZNA (Erstversorgung, Triage, Hochstress-Situationen)
- Ärzte Notaufnahme (Schockraum, Polytrauma, aggressive Patienten)
- Anmeldung / Empfang (Erste Anlaufstelle, Wartezeitkonflikte)
- Sicherheitsdienst (Deeskalation bei Drogen, Alkohol, psychischen Ausnahmezuständen)
2.3 Psychiatrie & Psychosomatik
- Pflegekräfte Akutpsychiatrie (Geschlossene Station, Fixierungen, Suizidgefahr)
- Pflegekräfte Gerontopsychiatrie (Demenz, Verwirrtheitszustände, Aggression)
- Suchtstation (Entzugsdelirien, Beschaffungsdruck)
- Ärzte / Psychologen (Krisenintervention, Zwangseinweisungen)
- Sozialdienst (Entlassungsplanung in Konfliktsituationen)
2.4 Rettungsdienst / Notfallsanitäter
- Rettungssanitäter / Notfallsanitäter (Einsatz bei häuslicher Gewalt, Drogen, Alkohol)
- Rettungsassistenten (Bedrohungssituationen im öffentlichen Raum)
- Leitstellendisponenten (Telefondeeskalation bei Notrufen)
2.5 Arztpraxen
- Hausarztpraxen (Empfang, MFA bei aggressiven Patienten)
- Psychiatrische Praxen (Akute Krisen in der Praxis)
- Schmerztherapie / Suchtmedizin (Beschaffungsdruck, Rezeptforderungen)
2.6 Pflegeheime / Altenpflege
- Pflegekräfte (Demenz, Aggression, Überforderung Angehöriger)
- Heimleitung (Gewaltschutzkonzepte nach Heim-TÜV)
2.7 Ambulante Pflege
- Pflegedienst (Hausbesuche in schwierigem sozialem Umfeld)
3. SOZIALE EINRICHTUNGEN
3.1 Kinder- und Jugendhilfe
- Mitarbeiter Jugendzentren (Konfliktschlichtung, Gewaltprävention)
- Streetworker (Arbeit mit gewaltbereiten Jugendlichen)
- Wohngruppen / Heime (Betreuung verhaltensauffälliger Jugendlicher)
3.2 Obdachlosenhilfe
- Mitarbeiter Notunterkünfte (Sucht, psychische Erkrankungen, Gewalt)
- Streetworker Wohnungslosenhilfe (Aufsuchende Arbeit)
3.3 Beratungsstellen
- Schuldnerberatung (Existenzängste, Überforderung)
- Suchtberatung (Beschaffungsdruck, Rückfälle)
- Schwangerschaftskonfliktberatung (Hochemotionale Situationen)
- Migrationssozialberatung (Sprachbarrieren, Traumatisierung)
3.4 Flüchtlingshilfe
- Sozialarbeiter Erstaufnahmeeinrichtungen (Überfüllung, Konflikte, Trauma)
- Ehrenamtliche (Überforderung, fehlende Schulung)
4. RETTUNGSKRÄFTE & KATASTROPHENSCHUTZ
4.1 Feuerwehr
- Berufsfeuerwehr (Einsätze bei häuslicher Gewalt, Amok, Terror)
- Rettungsdienst-Feuerwehr (Doppelfunktion: Retten + Deeskalieren)
- Einsatzleitung (Entscheidungen unter Druck)
4.2 Technisches Hilfswerk (THW)
- Helfer bei Großschadenslagen (Panik, Chaos, Gewalt)
4.3 Katastrophenschutz
- Einsatzkräfte bei Evakuierungen (Widerstand, Panik, Aggression)
5. JUSTIZ & VOLLZUG
5.1 Justizvollzugsanstalten (JVA)
- Bedienstete Vollzugsdienst (Gewalt von Inhaftierten)
- Sozialarbeiter JVA (Betreuung gewaltbereiter Gefangener)
- Psychologischer Dienst (Krisenintervention)
5.2 Gerichte
- Justizwachtmeister (Sicherheit bei Verhandlungen, aggressive Parteien)
- Richter / Staatsanwälte (Bedrohungen im Saal)
5.3 Bewährungshilfe
- Bewährungshelfer (Hausbesuche, Konfliktpotenzial)
6. BILDUNG
6.1 Schulen
- Lehrer (alle Schulformen) (Konflikte mit Schülern, Eltern)
- Schulsozialarbeiter (Gewaltprävention, Krisenintervention)
- Schulleitung (Verantwortung für Gewaltschutzkonzept)
6.2 Kitas
- Erzieher (Übergriffige Eltern, Überforderung)
- Kita-Leitung (Konfliktmanagement mit Eltern)
7. VERKEHR & ÖPNV
7.1 Öffentlicher Nahverkehr
- Busfahrer (Alleinarbeit, Fahrscheinkonflikte, Alkohol, Drogen)
- Straßenbahnfahrer (Bedrohungen, Vandalismus)
- U-Bahn-Fahrer (Isolation, psychische Belastung)
- Kontrolleure / Fahrkartenkontrolle ÖPNV (Aggressionen bei Schwarzfahrern)
- Kundenservice / Infoschalter (Beschwerden, Überforderung)
7.2 Bahnverkehr
- Zugbegleiter (DB) (Fahrscheinkonflikte, überregionale Eskalationen)
- Bahnhofsmission (Obdachlose, Sucht, psychische Auffälligkeiten)
8. SICHERHEITSDIENSTE
8.1 Private Sicherheitsdienste
- Objektschutz (Werksschutz, Kliniken, Behörden)
- Veranstaltungsschutz (Einlasskontrollen, Alkohol, Konflikte)
- Citystreife / Bahnhofsschutz (Obdachlose, Drogen, Gewalt)
8.2 Werkschutz
- Pförtnerdienste (Zugangskontrollen, Besuchermanagement)
- Werksicherheit Industrie (Sabotage, interne Konflikte)
9. EINZELHANDEL & GASTRONOMIE
9.1 Einzelhandel
- Kassierer (Ladendiebstahl, Kundenaggressionen)
- Filialleiter (Konfliktmanagement mit Kunden + Personal)
- Ladendetektive (Konfrontation mit Dieben)
9.2 Gastronomie
- Servicekräfte (Alkohol, Beschwerden, sexuelle Belästigung)
- Türsteher / Rausschmeißer (Clubs, Bars)
- Hotelempfang (Übernachtungskonflikte, Zahlungsverweigerung)
10. ENERGIEVERSORGER & KOMMUNALE DIENSTE
10.1 Stadtwerke / Energieversorger
- Außendienst (Zählerablesung, Sperrungen) (Zahlungsverweigerung, Hausfriedensbruch)
- Kundenservice (Beschwerden, existenzielle Ängste)
10.2 Abfallwirtschaft
- Müllwerker (Konflikte bei Sperrmüll, illegalen Abladungen)
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Über den Autor
Günther Pfeifer
IHK-zertifizierter Fachkraft für Gewaltpräventions mit über 25 Jahren Erfahrung in Risiko-Bereichen. Entwickler der Gladiator Mind-Methodik, die stoische Philosophie mit moderner Neurowissenschaft verbindet. Spezialisiert auf Behörden, KRITIS, Jobcenter, Kliniken, Rettungsdienst, ÖPNV, Einzelhandel, und Flughäfen.
Ich bin Praktiker, kein Forscher. Meine Aufgabe ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse in tragfähige Konzepte für reale Einsatzsituationen zu übersetzen als Architekt, der die richtigen Fachleute zusammenbringt. Wo mein Wissen endet, beginnt mein Netzwerk.
Meine Arbeit basiert auf der Überzeugung, dass der Mensch im Mittelpunkt jeder wirksamen Gewaltprävention stehen muss. Nur wer seine eigene Stressphysiologie versteht und seinem Bauchgefühl vertraut, kann unter Druck souverän bleiben, deeskalierend auftreten und sich flexibel an die Dynamik der Situation anpassen, wenn Standardroutinen nicht mehr greifen.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Beitrag dient der Information über den Stand der öffentlichen Diskussion und Quellenlage (Stand: 07.02.2026). Er stellt keine Rechtsberatung dar. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an einen Fachanwalt für Verwaltungsrecht oder an die zuständige Aufsichtsbehörde.
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