Fachbeitrag | Gewaltprävention | Stadtwerke | KRITIS-Resilienz
Stadtwerke und Energieversorgungsunternehmen übernehmen eine zentrale Aufgabe für die Versorgung der Bevölkerung. Ihre Mitarbeitenden sorgen dafür, dass technische Anlagen funktionieren, Störungen behoben und notwendige Arbeiten zuverlässig durchgeführt werden. Gleichzeitig stehen viele Beschäftigte regelmäßig im direkten Kontakt mit Bürgerinnen, Bürgern und gewerblichen Kunden.
Besonders beim Zählerwechsel, im Sperrwesen und im technischen Außendienst können Konflikte entstehen. Unangekündigte Schwierigkeiten, Missverständnisse über Zuständigkeiten, wirtschaftliche Belastungen oder die Ablehnung einer Maßnahme können Gespräche erheblich erschweren.
Für die betroffenen Beschäftigten geht es dann nicht mehr ausschließlich um die Erfüllung ihres technischen Arbeitsauftrags. Sie müssen erkennen, wann sich eine Situation verändert, welche Handlungsmöglichkeiten bestehen und wann die eigene Sicherheit Vorrang erhält.
Gewaltprävention bei Stadtwerken ist deshalb mehr als ein Deeskalationstraining. Sie verbindet Arbeitsschutz, organisatorische Vorbereitung, Selbstschutz und die Fähigkeit, auch unter Stress situationsgerecht zu entscheiden.
Darüber hinaus besitzt die Handlungssicherheit der Beschäftigten eine betriebliche Bedeutung. Denn wenn qualifizierte Fachkräfte nach Bedrohungen oder Übergriffen ausfallen, kann dies die Einsatzplanung und die personelle Resilienz eines Energieversorgers beeinträchtigen.
Autor: Günther Pfeifer, Fachdozent für Gewaltprävention und Selbstschutz.
Stand: 30. Oktober 2026
1. Warum Mitarbeitende von Stadtwerken besonderen Risiken begegnen
Die Tätigkeiten innerhalb eines Stadtwerks unterscheiden sich erheblich. Während Beschäftigte im Kundenservice überwiegend in betrieblichen Räumen arbeiten, sind Mitarbeitende des technischen Außendienstes häufig auf Grundstücken, in Hausfluren, Kellerräumen oder Wohnungen tätig.
Diese Arbeitsumgebungen können besondere Herausforderungen mit sich bringen. Nicht immer sind Rückzugswege gut erkennbar. Unterstützung durch Kolleginnen und Kollegen steht möglicherweise nicht unmittelbar zur Verfügung. Hinzu kommt, dass technische Maßnahmen für die betroffenen Kunden mit persönlichen oder wirtschaftlichen Sorgen verbunden sein können.
Zählerwechsel und technische Arbeiten
Ein Zählerwechsel ist aus technischer Sicht häufig eine Routineaufgabe. Im direkten Kundenkontakt können jedoch Fragen zur Terminvereinbarung, zum Zutritt oder zur Notwendigkeit der Maßnahme zu Konflikten führen.
Lehnt ein Kunde die Durchführung ab, benötigt die Servicekraft klare betriebliche Vorgaben. Sie muss wissen, welche Erklärungen sie geben kann, wann eine organisatorische Klärung erforderlich ist und unter welchen Bedingungen die Tätigkeit unterbrochen werden sollte.
Sperrwesen und Versorgungsunterbrechungen
Besonders sensibel sind Situationen, in denen eine Unterbrechung der Versorgung vorgesehen ist. Für betroffene Menschen können solche Maßnahmen mit erheblichen Belastungen verbunden sein. Mitarbeitende können dabei mit Vorwürfen, emotionalen Reaktionen oder in Einzelfällen auch mit Drohungen konfrontiert werden.
Eine schwierige wirtschaftliche Situation bedeutet nicht automatisch, dass von einer Person Gewalt ausgeht. Entscheidend ist immer das tatsächlich beobachtbare Verhalten und die konkrete Gefährdung.
Störungsdienst und zeitkritische Einsätze
Bei technischen Störungen erwarten Kunden häufig eine schnelle Wiederherstellung der Versorgung. Wenn die Ursachen komplex sind oder Reparaturen länger dauern, können Unzufriedenheit und Druck auf die Beschäftigten zunehmen.
Auch in solchen Situationen benötigen Mitarbeitende klare Kommunikationsmöglichkeiten, Unterstützung und die Sicherheit, dass sie sich bei konkreten Bedrohungen nicht allein auf ihre persönliche Konfliktfähigkeit verlassen müssen.
Eine umfassende Einordnung der branchenspezifischen Risiken bietet meine Pillar-Seite zur Gewaltprävention, personellen Resilienz und Handlungssicherheit im Energiesektor.
2. Praxisfall: Wenn ein Zählerwechsel eskaliert
Das folgende Beispiel ist ein fiktives Schulungsszenario und beschreibt keinen tatsächlichen Vorfall.
Ein Servicemitarbeiter eines Stadtwerks erscheint zu einem angekündigten Zählerwechsel in einem Mehrfamilienhaus. Bereits beim Öffnen der Wohnungstür erklärt der Bewohner, dass er mit der Maßnahme nicht einverstanden sei.
Der Mitarbeiter erläutert sachlich den Auftrag und bietet an, die offenen Fragen über die zuständige Stelle klären zu lassen. Der Bewohner wird jedoch zunehmend lauter. Er unterbricht den Mitarbeiter mehrfach, tritt näher an ihn heran und stellt sich schließlich in den Bereich des Ausgangs.
Die Situation verändert sich. Während zunächst eine Meinungsverschiedenheit über einen technischen Auftrag bestand, entsteht nun eine mögliche persönliche Gefährdung.
Was muss der Mitarbeiter jetzt erkennen?
Entscheidend ist nicht allein die Lautstärke des Gesprächs. Der Mitarbeiter muss auch berücksichtigen, dass seine Bewegungsfreiheit möglicherweise eingeschränkt wird und der Bewohner seine persönliche Distanz wiederholt unterschreitet.
Die technische Aufgabe verliert in diesem Moment ihre Priorität. Der Mitarbeiter sollte die Situation entsprechend den betrieblichen Vorgaben begrenzen und prüfen, wie er sich sicher zurückziehen kann.
Warum eine klare Entscheidung wichtig ist
Unter Stress besteht die Gefahr, dass Beschäftigte versuchen, eine Situation um jeden Preis zu erklären oder zu Ende zu führen. Gerade pflichtbewusste Mitarbeitende können sich innerlich unter Druck setzen, den Auftrag unbedingt abschließen zu müssen.
Professionelle Handlungssicherheit bedeutet jedoch auch, eine Tätigkeit bewusst zu unterbrechen, wenn die Voraussetzungen für eine sichere Durchführung nicht mehr gegeben sind.
Bei einer unmittelbaren Bedrohung steht der Eigenschutz im Vordergrund. Ein Rückzug sollte erfolgen, soweit dies sicher möglich ist. Bei akuter Gefahr ist die Polizei über den Notruf 110 zu verständigen.
3. Warum ein Mitarbeiterausfall auch den Betrieb eines Stadtwerks belasten kann
Die Folgen eines Übergriffs betreffen zunächst den Menschen, der bedroht oder verletzt wurde. Körperliche Verletzungen und erhebliche psychische Belastungen können eine medizinische Behandlung oder eine vorübergehende Arbeitsunfähigkeit erforderlich machen.
Für Stadtwerke und Energieversorgungsunternehmen kann ein solcher Ausfall zusätzliche organisatorische Auswirkungen haben. Technische Fachkräfte verfügen häufig über Qualifikationen und betriebliche Kenntnisse, die sich nicht kurzfristig ersetzen lassen.
Müssen geplante Zählerwechsel verschoben, Störungseinsätze neu verteilt oder zusätzliche Beschäftigte eingesetzt werden, entstehen organisatorische Belastungen. Unter bestimmten Umständen können auch Mehrkosten und Verzögerungen auftreten.
Ob daraus tatsächlich Einschränkungen der betrieblichen Leistungsfähigkeit entstehen, hängt von der jeweiligen Aufgabe, den personellen Reserven und vorhandenen Vertretungsregelungen ab.
Gerade im Umfeld kritischer Infrastrukturen sollte personelle Resilienz nicht mit der Erwartung verwechselt werden, dass Beschäftigte jede Belastung aushalten müssen. Vielmehr benötigen sie geeignete Arbeitsbedingungen, organisatorische Unterstützung und Handlungsmöglichkeiten, die ihrer tatsächlichen Tätigkeit entsprechen.
4. Warnsignale erkennen und Situationen richtig bewerten
Gewaltprävention beginnt mit einer bewussten Wahrnehmung der Situation. Nicht jede Beschwerde, jede emotionale Reaktion oder jedes laute Gespräch stellt eine konkrete Bedrohung dar.
Beschäftigte sollten deshalb lernen, zwischen schwieriger Kommunikation und sicherheitsrelevanten Veränderungen zu unterscheiden.
Besondere Aufmerksamkeit kann erforderlich sein, wenn eine Person konkrete Drohungen ausspricht, wiederholt persönliche Grenzen überschreitet, den Ausgang blockiert oder eine Beschäftigte beziehungsweise einen Beschäftigten körperlich bedrängt.
Auch die Umgebung spielt eine Rolle. Ein enger Kellerraum mit nur einem Zugang stellt andere Anforderungen an die persönliche Sicherheit als ein frei zugänglicher Bereich im Außenraum.
Eine angemessene Gefährdungsbewertung berücksichtigt deshalb das Verhalten der beteiligten Personen, die räumlichen Bedingungen und die vorhandenen Handlungsmöglichkeiten.
Im Mittelpunkt steht nicht die vorschnelle Beurteilung eines Menschen, sondern die Frage, ob die Tätigkeit unter den gegebenen Umständen noch sicher durchgeführt werden kann.
5. Gewaltprävention beginnt vor dem Kundenkontakt
Eine wirksame Vorbereitung kann dazu beitragen, Unsicherheiten im Außendienst zu reduzieren. Dazu gehört zunächst eine tätigkeitsbezogene Gefährdungsbeurteilung, die mögliche Bedrohungen im Kundenkontakt berücksichtigt.
Klare Informationen vor dem Einsatz
Beschäftigte sollten wissen, weshalb ein Einsatz stattfindet, welche Aufgaben vorgesehen sind und welche betrieblichen Ansprechpartner bei Problemen erreichbar sind.
Sofern sicherheitsrelevante Vorfälle bekannt und für den konkreten Einsatz erforderlich sind, können entsprechende Informationen unter Beachtung des Datenschutzes in die Einsatzplanung einfließen.
Festgelegte Abbruchkriterien
Ein wesentliches Element der organisatorischen Gewaltprävention besteht darin, eindeutige Kriterien für die Unterbrechung oder Beendigung eines Einsatzes festzulegen.
Beschäftigte müssen wissen, dass sie bei einer konkreten Gefährdung nicht verpflichtet sind, eine technische Tätigkeit um jeden Preis fortzusetzen.
Erreichbarkeit und Unterstützung
Abhängig von der Gefährdungsbeurteilung können vereinbarte Rückmeldezeiten, geeignete Kommunikationsmittel, Teamarbeit oder technische Notrufmöglichkeiten erforderlich sein.
Welche Maßnahmen geeignet sind, muss anhand der tatsächlichen Arbeitsbedingungen beurteilt werden.
Die organisatorische Perspektive erläutere ich ausführlicher in meinem Fachbeitrag NIS-2 und BSI INF.9: Sicherheit für mobile Teams im Außendienst.
Dabei ist zu unterscheiden: Die allgemeinen Arbeitgeberpflichten des Arbeitsschutzes gelten unabhängig davon, ob für einen bestimmten Betreiber zusätzliche Anforderungen aus dem KRITIS- oder Informationssicherheitsrecht einschlägig sind.
6. Deeskalation und Selbstschutz im Außendienst
Deeskalation verfolgt das Ziel, Spannungen zu begrenzen und unnötige Konfrontationen zu vermeiden. Sie bedeutet jedoch nicht, dass Mitarbeitende jede Forderung erfüllen oder ein bedrohliches Gespräch unbegrenzt fortsetzen müssen.
Sachlich kommunizieren
Gerade bei emotionalen Kundenkontakten können kurze, verständliche Aussagen hilfreich sein. Mitarbeitende sollten erläutern können, welche Aufgaben sie ausführen, welche Entscheidungen sie selbst treffen dürfen und wann eine andere zuständige Stelle eingebunden werden muss.
Persönliche Grenzen erkennen
Wird eine Beschäftigte oder ein Beschäftigter wiederholt bedrängt oder bedroht, muss die eigene Sicherheit berücksichtigt werden. Eine klare Gesprächsbegrenzung kann sinnvoll sein, sofern die Situation dies zulässt.
Rückzug als professionelle Entscheidung
Ein sicherer Rückzug ist kein Zeichen mangelnder Fachkompetenz. Er kann vielmehr Ausdruck einer angemessenen Gefährdungsbewertung sein.
In praxisnahen Schulungen sollten deshalb nicht nur Formulierungen zur Gesprächsführung behandelt werden. Auch Distanz, räumliche Orientierung, Rückzugsmöglichkeiten und das rechtzeitige Anfordern von Unterstützung gehören zu einer umfassenden Vorbereitung.
7. Gladiator Mind: Selbstführung unter Druck
Eine eskalierende Situation kann die Wahrnehmung und Entscheidungsfähigkeit eines Menschen beeinflussen. Unter hoher Belastung können Gedanken, körperliche Stressreaktionen und bisherige Erfahrungen die Bewertung einer Situation verändern.
Die von Günther Pfeifer entwickelte Gladiator Mind Methode setzt an der bewussten Selbstführung unter Druck an.
Für Mitarbeitende von Stadtwerken bedeutet dies, eine kritische Situation nicht ausschließlich aus der Perspektive des technischen Arbeitsauftrags zu betrachten. Sie sollen lernen, Veränderungen im Verhalten ihres Gegenübers wahrzunehmen, die eigene Stressreaktion zu erkennen und zwischen verfügbaren Handlungsmöglichkeiten zu unterscheiden.
Erkennen
Die Beschäftigten nehmen wahr, welche Veränderungen tatsächlich auftreten. Dabei unterscheiden sie zwischen beobachtbarem Verhalten, eigenen Erwartungen und möglichen Gefährdungen.
Entscheiden
Die Beschäftigten beurteilen, ob das Gespräch fortgesetzt, die Tätigkeit unterbrochen oder Unterstützung angefordert werden sollte.
Handeln
Die Beschäftigten setzen die gewählte Entscheidung entsprechend den betrieblichen Vorgaben und den tatsächlichen Sicherheitsbedingungen um.
Gladiator Mind soll die praktische Vorbereitung auf solche Entscheidungssituationen ergänzen. Die Methode ersetzt weder technische Schutzmaßnahmen noch organisatorische Notfallregelungen.
Das Ziel besteht darin, Mitarbeitende dabei zu unterstützen, auch unter Belastung geeignete Handlungsmöglichkeiten bewusster wahrzunehmen und anzuwenden.
8. Arbeitsschutz und Verantwortung der Unternehmen
Die Sicherheit von Mitarbeitenden im Außendienst ist nicht ausschließlich eine Frage ihres persönlichen Verhaltens. Arbeitgeber sind verpflichtet, die mit der Arbeit verbundenen Gefährdungen zu beurteilen und geeignete Schutzmaßnahmen festzulegen.
Nach § 5 Arbeitsschutzgesetz müssen Arbeitgeber die Arbeitsbedingungen hinsichtlich möglicher Gefährdungen beurteilen. Dazu können je nach Tätigkeit auch Bedrohungen, körperliche Übergriffe und psychische Belastungen im Kundenkontakt gehören.
§ 12 Arbeitsschutzgesetz regelt die Unterweisung der Beschäftigten. Diese muss ausreichend und angemessen sein und sich an den jeweiligen Arbeitsbedingungen orientieren.
Für Stadtwerke bedeutet dies, dass mögliche Konfliktsituationen beim Zählerwechsel, im Sperrwesen oder im technischen Außendienst im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden sollten, sofern entsprechende Risiken bestehen.
Geeignete Schutzmaßnahmen können organisatorische Regelungen, Kommunikationsverfahren, technische Einrichtungen und tätigkeitsbezogene Schulungen umfassen.
Ein Deeskalationsseminar kann die Handlungskompetenz der Beschäftigten stärken. Es ersetzt jedoch keine Gefährdungsbeurteilung und entbindet das Unternehmen nicht von seinen organisatorischen Pflichten.
Gerade im Energiesektor sollte der Schutz von Mitarbeitenden deshalb als Bestandteil einer umfassenden betrieblichen Präventionsstrategie betrachtet werden.
9. Nachbereitung von Bedrohungen und Übergriffen
Ein bedrohlicher Vorfall endet nicht zwangsläufig mit dem Verlassen des Einsatzortes. Für betroffene Mitarbeitende können körperliche oder psychische Belastungen bestehen bleiben. Gleichzeitig muss das Unternehmen prüfen, ob organisatorische Schwachstellen erkennbar geworden sind.
Eine sachgerechte Nachbereitung beginnt mit der Sicherheit und Unterstützung der betroffenen Person. Abhängig vom Ereignis können medizinische Versorgung, psychosoziale Unterstützung und weitere betriebliche Maßnahmen erforderlich sein.
Darüber hinaus sollten Vorfälle entsprechend den betrieblichen Meldewegen dokumentiert und hinsichtlich möglicher Präventionsmaßnahmen ausgewertet werden.
Wiederkehrende Bedrohungen an bestimmten Einsatzorten oder bei bestimmten Arbeitsabläufen können Hinweise darauf geben, dass bestehende Schutzmaßnahmen überprüft werden müssen.
Die Zusammenarbeit zwischen Führungskräften, Fachkraft für Arbeitssicherheit, Personalvertretung und weiteren zuständigen Stellen kann hierbei eine wichtige Rolle spielen.
Mit den organisatorischen Schnittstellen zwischen Gewaltprävention, wiederkehrenden Konflikten und Täterarbeit beschäftigt sich mein weiterführender Beitrag Gewaltschutzkoordinator, Täterarbeit und Mitarbeiterschutz.
Entscheidend ist, dass die Nachbereitung nicht zur nachträglichen Schuldzuweisung gegenüber betroffenen Mitarbeitenden wird. Sie soll dazu beitragen, Schutzlücken zu erkennen und die Sicherheit zukünftiger Einsätze zu verbessern.
10. Praxisnahe Schulungen für Stadtwerke und Energieversorger
Beschäftigte im technischen Außendienst benötigen andere Handlungsmöglichkeiten als Mitarbeitende im Kundenservice oder in der Leitstelle. Deshalb sollten Schulungen die tatsächlichen Arbeitsbedingungen und die branchenspezifischen Gefährdungen berücksichtigen.
Früherkennung von Konflikten
Die Teilnehmenden lernen, Veränderungen im Verhalten von Kunden wahrzunehmen und mögliche Gefährdungen im Zusammenhang mit der jeweiligen Einsatzsituation zu beurteilen.
Deeskalation im Kundenkontakt
Die Teilnehmenden üben, schwierige Gespräche verständlich zu strukturieren, persönliche Grenzen zu setzen und unnötige Konfrontationen zu vermeiden.
Selbstschutz und sichere Entscheidungen
Die Übungen berücksichtigen Distanz, räumliche Orientierung, Rückzugsmöglichkeiten und das Verhalten bei konkreten Bedrohungen.
Selbstführung unter Stress
Mit Elementen der Gladiator Mind Methode setzen sich die Teilnehmenden mit ihrer eigenen Wahrnehmung, ihren Stressreaktionen und ihren Entscheidungsmöglichkeiten auseinander.
Übertragung in den beruflichen Alltag
Die vermittelten Handlungsmöglichkeiten werden mit den betrieblichen Abläufen, Zuständigkeiten und Sicherheitsregelungen verknüpft.
Das Ziel besteht nicht darin, Mitarbeitende auf jede denkbare Konfliktsituation mit einer festen Reaktion vorzubereiten. Vielmehr sollen sie lernen, Risiken zu erkennen, angemessene Entscheidungen zu treffen und vorhandene Schutzmöglichkeiten situationsgerecht zu nutzen.
11. Häufig gestellte Fragen zur Gewaltprävention bei Stadtwerken
Welche Konfliktrisiken bestehen beim Zählerwechsel?
Konflikte können beispielsweise durch Terminprobleme, verweigerten Zutritt, Missverständnisse oder die Ablehnung technischer Maßnahmen entstehen. Ob daraus eine konkrete Gefährdung wird, hängt vom Verhalten der Beteiligten und den jeweiligen Einsatzbedingungen ab.
Warum ist Gewaltprävention im Sperrwesen besonders wichtig?
Versorgungsunterbrechungen können für betroffene Menschen erhebliche persönliche oder wirtschaftliche Folgen haben. Beschäftigte benötigen deshalb eine sorgfältige Einsatzvorbereitung, klare Kommunikationsmöglichkeiten und festgelegte Verfahren für bedrohliche Situationen.
Welche Folgen kann ein Mitarbeiterausfall für Stadtwerke haben?
Der Ausfall einer qualifizierten Fachkraft kann zu Terminverschiebungen, zusätzlichem Personalaufwand oder einer veränderten Einsatzplanung führen. Die tatsächlichen Auswirkungen hängen von der Aufgabe, den verfügbaren Vertretungen und den betrieblichen Kapazitäten ab.
Ist ein Deeskalationstraining für alle Mitarbeitenden von Stadtwerken verpflichtend?
Eine allgemeine gesetzliche Pflicht zu einem bestimmten Deeskalationskurs für sämtliche Beschäftigte besteht nicht. Arbeitgeber müssen jedoch die relevanten Gefährdungen beurteilen und geeignete Schutzmaßnahmen sowie erforderliche Unterweisungen festlegen.
Welche Rolle spielt Gladiator Mind im Außendienst?
Gladiator Mind verbindet bewusste Situationswahrnehmung, Selbstführung unter Druck und die Vorbereitung angemessener Handlungsentscheidungen. Die Methode soll Beschäftigte dabei unterstützen, in belastenden Situationen ihre Handlungsmöglichkeiten besser zu erkennen.
Wie können Stadtwerke ihre personelle Resilienz stärken?
Personelle Resilienz kann durch geeignete Arbeitsbedingungen, klare Zuständigkeiten, wirksame Schutzmaßnahmen, eine angemessene Personalplanung und praxisnahe Schulungen unterstützt werden. Gewaltprävention ist dabei ein wichtiger, aber nicht der einzige Baustein.
12. Fazit: Mitarbeiterschutz stärkt die Handlungssicherheit von Stadtwerken
Gewaltprävention bei Stadtwerken beginnt lange vor einer möglichen Eskalation. Sie setzt bei der Gefährdungsbeurteilung, der Einsatzplanung und der Vorbereitung der Beschäftigten an.
Gerade beim Zählerwechsel, im Sperrwesen und im technischen Außendienst benötigen Mitarbeitende klare Handlungsmöglichkeiten. Sie müssen erkennen können, wann ein Gespräch nicht mehr sicher fortgeführt werden kann und welche Unterstützung ihnen zur Verfügung steht.
Der Schutz der Beschäftigten ist dabei nicht nur eine Frage der individuellen Sicherheit. Er kann auch zur personellen Resilienz und zu belastbaren betrieblichen Abläufen beitragen.
„Wenn eine Fachkraft nach einer Bedrohung ausfällt, betrifft das nicht nur den einzelnen Menschen. Es kann auch die Einsatzfähigkeit eines Stadtwerks beeinträchtigen. Deshalb beginnt wirksame Gewaltprävention lange vor dem eigentlichen Kundenkontakt.“
Für Stadtwerke und Energieversorgungsunternehmen bedeutet dies, organisatorische Schutzmaßnahmen und die praktische Handlungskompetenz ihrer Mitarbeitenden miteinander zu verbinden.
Früh erkennen. Klar entscheiden. Sicher handeln. Dieser Grundsatz beschreibt das Ziel einer Gewaltprävention, die Mitarbeitende vorbereitet und die betriebliche Verantwortung berücksichtigt.
Weiterführende Fachinformationen
- Gewaltprävention und personelle Resilienz im Energiesektor
- Sicherheit für mobile Teams im Außendienst
- Gewaltschutzkoordinator, Täterarbeit und Mitarbeiterschutz
- Gladiator Mind: Selbstführung unter Druck
Rechtliche und fachliche Grundlagen
Gewaltprävention für Stadtwerke und Energieversorger
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Günther Pfeifer bietet praxisnahe Inhouse-Schulungen zur Gewaltprävention, Deeskalation, Selbstführung und zum Selbstschutz an. Die Inhalte orientieren sich an den tatsächlichen Risiken und Anforderungen Ihrer Einrichtung.
Über den Autor: Günther Pfeifer
Günther Pfeifer ist Fachdozent für Gewaltprävention und Selbstschutz mit IHK-Qualifikation und langjähriger praktischer Erfahrung. Seine fachlichen Schwerpunkte liegen in der Gewaltprävention, der Deeskalation, dem Selbstschutz und der Handlungssicherheit von Mitarbeitenden mit Bürger- und Kundenkontakt.
Mit der von ihm entwickelten Gladiator Mind Methode verbindet er Selbstführung unter Druck mit praxisorientierter Handlungskompetenz. Seine Schulungskonzepte richten sich unter anderem an Behörden, das Gesundheitswesen, Rettungsdienste und Betreiber kritischer Infrastrukturen.
Fachlicher Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Die erforderlichen Schutzmaßnahmen sind anhand der jeweiligen betrieblichen Gefährdungsbeurteilung und der anwendbaren gesetzlichen Anforderungen festzulegen.