Meine Lehrer: Instructor Konrad Rath und mein Weg zum PIPER System
Im Laufe vieler Jahre habe ich bei unterschiedlichen Trainern, Ausbildern und Lehrern lernen dürfen. Jeder von ihnen hat auf seine Weise meinen Blick auf Selbstschutz, Gewalt, Bewegung und menschliches Verhalten geprägt.
Dabei ging es mir nie darum, möglichst viele Systeme oder Techniken zu sammeln. Mich hat immer eine andere Frage interessiert:
Was passiert bei realer Gewalt – und was können wir daraus für Prävention, Wahrnehmung und Selbstschutz lernen?
Einer meiner Lehrer, bei dem diese Frage für mich eine besondere Bedeutung bekommen hat, ist Instructor Konrad Rath.
Dieser Beitrag ist deshalb kein klassischer Artikel über ein Kampfsystem. Er ist auch ein persönliches Dankeschön an einen meiner Lehrer und gleichzeitig ein Einblick darin, warum ich mich überhaupt mit einem System wie PIPER beschäftigt habe.
Inhaltsverzeichnis
- PIPER – ein System mit ungewöhnlichen Wurzeln
- Cape Flats, Gefängniskultur und kriminelle Angriffsmuster
- Warum PIPER anders auf Gewalt blickt
- Die Perspektive des Täters verstehen
- Mein Lehrer Instructor Konrad Rath
- Warum ich bei Konrad lernen wollte
- Verstehen, ohne Gewalt zu verherrlichen
- Warum trägt ein Täter überhaupt ein Messer?
- Messergewalt und der Blick auf Deutschland
- Nicht in einzelnen Techniken denken
- Von PIPER zur Gewaltprävention
- Lernen bedeutet auch, seine Lehrer anzuerkennen
- Danke, Konrad
- Häufige Fragen zu PIPER
PIPER – ein System mit ungewöhnlichen Wurzeln
Wer sich mit PIPER beschäftigt, stößt auf eine Entstehungsgeschichte, die sich deutlich von der vieler klassischer Kampfkünste unterscheidet.
PIPER stammt aus Südafrika und ist eng mit den Cape Flats im Raum Kapstadt verbunden.
Gründer des PIPER Knife Systems ist Nigel February.
Nach seiner eigenen Darstellung wuchs er in Elsies River auf und begann sich bereits in den frühen 1990er-Jahren intensiv mit den besonderen Messermethoden krimineller Gruppen auf den Cape Flats zu beschäftigen.
Aus dieser Untersuchung entstand schließlich das PIPER Knife System. Als Gründungsdatum nennt February selbst den 8. September 1997.
PIPER entstand damit nicht aus einem klassischen Wettkampfgedanken. Im Mittelpunkt stand vielmehr die Untersuchung realer krimineller Angriffsmuster und die Frage, wie Messer innerhalb bestimmter Gewaltmilieus tatsächlich eingesetzt werden.
Externe Quelle: Nigel February – Hintergrund und Entstehung des PIPER Systems
Weiterführend: Herkunft und Messerkultur des PIPER Systems
Wer tiefer in die Entstehung des PIPER Systems, die Cape Flats und den südafrikanischen Hintergrund einsteigen möchte, findet hier meine ausführlichere Einordnung.
PIPER Knife System & Messerkultur in Südafrika
Cape Flats, Gefängniskultur und kriminelle Angriffsmuster
Zum Hintergrund von PIPER gehört auch die südafrikanische Gefängnis- und Gangkultur. Darstellungen aus dem PIPER-Umfeld beschreiben Messerpraktiken und Täuschungsmuster, die innerhalb des südafrikanischen Gefängnissystems beobachtet wurden und deren Prinzipien später auch in kriminellen Strukturen auf den Cape Flats wiederzufinden waren.
Wichtig ist mir dabei eine klare Unterscheidung:
PIPER wurde nicht einfach „im Gefängnis erfunden“.
Vielmehr wurden reale kriminelle Vorgehensweisen, Bewegungsmuster und Angriffsdynamiken beobachtet, untersucht und systematisiert.
Nigel February beschreibt seine eigene Arbeit vor allem als Untersuchung krimineller Messermethoden der Cape Flats. Gerade diese Herkunft macht das Thema gleichzeitig interessant und ernst.
„Wer das Messer ernst nimmt, muss es als das sehen, was es ist:
ein Werkzeug, das im falschen Moment zum dunkelsten Kapitel werden kann.“
Für mich ist deshalb wichtig, diese Herkunft weder zu romantisieren noch zu glorifizieren.
Die Beschäftigung mit PIPER bedeutet für mich nicht, Messerkampf attraktiv zu machen. Ganz im Gegenteil.
Wer sich ernsthaft mit Gewaltprävention und Selbstschutz beschäftigt, muss verstehen, wie gefährlich eine Klinge in einer realen Auseinandersetzung ist und wie wenig Raum für Fehler bleiben kann.
Warum PIPER anders auf Gewalt blickt
Viele klassische Trainingssituationen beginnen aus der Perspektive des Verteidigers:
Ein Angreifer führt eine erkennbare Handlung aus und der Verteidiger reagiert darauf mit einer bestimmten Technik.
Reale Gewalt funktioniert jedoch häufig anders.
Ein Täter muss seine Absicht nicht offen zeigen. Nähe kann hergestellt werden, ohne sofort bedrohlich zu wirken.
Aufmerksamkeit kann gelenkt oder abgelenkt werden. Rhythmus kann sich verändern. Körpersprache kann etwas anderes vermitteln als die tatsächliche Absicht.
Und ein Angriff kann genau dann erfolgen, wenn das Gegenüber noch damit beschäftigt ist, die Situation überhaupt einzuordnen.
Genau diese Perspektive hat mich an PIPER besonders interessiert.
Nicht nur:
Wie verteidige ich mich gegen einen Angriff?
Sondern zunächst:
Wie entsteht dieser Angriff überhaupt?
Was nimmt ein möglicher Täter wahr?
Wie bewegt er sich?
Wie verändert er die Distanz?
Wie nutzt er Nähe?
Welche Rolle spielen Ablenkung, Rhythmus und Täuschung?
Und was kann bereits in den Sekunden vor einer Gewalthandlung passieren?
Die Perspektive des Täters verstehen
Das ist für mich einer der wichtigsten Punkte.
Im Training lernt man nicht, „ein Täter zu werden“.
Man beschäftigt sich vielmehr mit der Perspektive, Denkweise und Handlungslogik eines Angreifers.
Es geht nicht darum, Gewalt nachzuahmen oder Täterverhalten zu bewundern. Es geht darum, mögliche Muster besser zu verstehen und dadurch Veränderungen einer Situation möglicherweise früher wahrnehmen zu können.
Denn wer Gewalt ausschließlich aus der Perspektive des Verteidigers betrachtet, beschäftigt sich häufig erst mit dem Moment, in dem der Angriff bereits begonnen hat.
Für Prävention kann das zu spät sein.
Mich interessieren deshalb Fragen wie:
- Wie sucht ein Täter möglicherweise einen günstigen Moment?
- Welche Rolle spielen Nähe und Distanz?
- Wie können Grenztests aussehen?
- Wie können Aufmerksamkeit und Wahrnehmung beeinflusst werden?
- Welche Bedeutung haben Körpersprache und Bewegung?
- Wann verändert sich eine scheinbar alltägliche Situation?
Dabei ist ebenso wichtig: Es gibt nicht den einen Täter und kein universelles Täter-Schema.
Menschen, Motive, Situationen und Tatdynamiken unterscheiden sich. Die Beschäftigung mit Täterverhalten darf deshalb nicht zu vorschnellen Etiketten führen. Sie soll den Blick erweitern.
„Wer Gewalt nur aus der Sicht des Verteidigers betrachtet, sieht immer nur die Hälfte. Prävention beginnt dort, wo wir verstehen, wie ein Angreifer wahrnimmt, täuscht und handelt.“
Von der Täterperspektive zur Früherkennung
Wer verstehen will, wie Gewaltdynamiken entstehen, sollte nicht erst beim Angriff beginnen.
Die Vorkonfliktphase zeigt, wie Wahrnehmung, Auswahl, Nähe und Verhalten bereits vorher eine Rolle spielen können. Vorkonfliktphase: Gewaltprävention und Opferauswahl
Mein Lehrer Instructor Konrad Rath
Einer meiner Lehrer auf diesem Weg ist Instructor Konrad Rath.
Konrad verfügt über einen breit gefächerten Hintergrund in unterschiedlichen Kampf-, Selbstschutz- und Combatives-Systemen.
Er war über viele Jahre eng mit Progressive Fighting Systems (PFS) verbunden und für PFS Afrika zuständig.
Seine frühere Organisation war unter dem Namen TFS – Tactical Fighting Systems bekannt.
Heute arbeitet er unter Instructor Konrad – School of Combatives.
Im PIPER System trägt Konrad die Bezeichnung PIPER Master Guardian.
Zu seinem Hintergrund gehören unter anderem Erfahrungen in den Filipino Martial Arts sowie die langjährige Beschäftigung mit praxisorientierten Selbstschutz- und Combatives-Konzepten.
Hinzu kommt praktische Erfahrung außerhalb einer Trainingshalle. Konrad war viele Jahre im Sicherheitsbereich tätig und arbeitete beziehungsweise trainierte unter anderem mit professionellen Anwendern aus Sicherheitsbereichen.
Gerade diese Verbindung unterschiedlicher Erfahrungen war für mich interessant:
Training, praktische Sicherheitsarbeit und die Bereitschaft, Gewalt nicht ausschließlich durch eine einzige Systembrille zu betrachten.
Hinweis zur Bezeichnung:
Ältere öffentlich zugängliche Darstellungen führen Konrad noch als „Director Africa“ des Progressive Fighting Systems. Für diesen Beitrag hat Konrad persönlich klargestellt, dass die korrekte Formulierung lautet: Er war für PFS Afrika zuständig.
Warum ich bei Konrad lernen wollte
Ich habe im Laufe meines eigenen Weges bewusst immer wieder Lehrer gesucht, die mir nicht einfach bestätigen, was ich bereits kannte.
Weiterentwicklung entsteht für mich nicht dadurch, dass jemand sagt:
„Du machst alles richtig.“
Sie entsteht dort, wo ein Lehrer einen dazu bringt, genauer hinzusehen.
Konrad gehört für mich zu diesen Menschen. Beim Training ging es mir deshalb nie nur darum, eine weitere Technik kennenzulernen.
Mich interessierte sein Blick auf Bewegung, Distanz, Rhythmus, Täuschung, Timing und reale Gewalt.
Besonders wichtig war für mich die Erkenntnis, dass man einen Angriff nicht isoliert betrachten darf.
Der eigentliche körperliche Angriff ist häufig nur der letzte Teil einer Entwicklung.
Davor können Wahrnehmung, Annäherung, Positionierung,Grenztests, Ablenkung oder andere Verhaltensweisen eine Rolle spielen.
Wer ausschließlich die letzte Bewegung betrachtet, sieht möglicherweise zu wenig von dem, was vorher bereits passiert ist.
Warum wir solche Systeme verstehen müssen – ohne sie zu verherrlichen
Wer sich mit realer Gewalt beschäftigt, kommt an unangenehmen Themen nicht vorbei.
Dazu gehören auch Methoden, Verhaltensweisen und Systeme, deren Hintergrund mit kriminellen Milieus,
Gefängniskulturen oder gewaltorientierten Subkulturen verbunden ist.
Gerade deshalb ist eine klare Haltung wichtig.
Es geht nicht darum, Gewalt zu bewundern.
Es geht nicht darum, Täter zu mystifizieren.
Und es geht auch nicht darum, Messertechniken als besonders spektakulär oder überlegen darzustellen.
Der Wert liegt im Verstehen.
Wenn wir wissen wollen, wie Gewalt entsteht, müssen wir uns auch damit beschäftigen, wie Täter Situationen möglicherweise wahrnehmen, wie Nähe hergestellt wird, wie Ablenkung funktionieren kann, wie Körpersprache genutzt wird und warum bestimmte Angriffe schwer vorhersehbar sein können.
Denn Prävention beginnt nicht erst in dem Moment, in dem eine Waffe sichtbar wird.
Sie beginnt früher.
Bei Wahrnehmung.
Bei Veränderungen im Verhalten.
Bei ungewöhnlicher Nähe.
Bei Grenztests.
Bei der Frage,
ob jemand versucht,
unsere Aufmerksamkeit oder unsere Reaktion zu beeinflussen.
„Verstehen bedeutet nicht bewundern. Wer Gewaltprävention ernst nimmt,
muss auch die dunklen Seiten von Gewalt betrachten – nicht um sie nachzuahmen, sondern um sie früher zu erkennen.“
Ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Thema Messer bedeutet für mich deshalb immer:
Die beste Auseinandersetzung mit einer Klinge ist die, die gar nicht erst stattfindet.
Distanz, Rückzug, Fluchtmöglichkeiten, Alarmierung und das frühzeitige Erkennen einer gefährlichen Entwicklung
haben Vorrang vor jeder Vorstellung technischer Überlegenheit.
Warum trägt ein Täter überhaupt ein Messer?
Wer verstehen möchte, warum Menschen ein Messer als Waffe mitführen, darf nicht ausschließlich auf die Klinge schauen. Entscheidend kann auch die Bedeutung sein, die das Messer für den jeweiligen Menschen oder innerhalb seines sozialen Umfeldes besitzt.
Ein Messer kann beispielsweise als Werkzeug, Drohmittel, Statussymbol, Mittel zur Einschüchterung, vermeintlicher Selbstschutz oder bewusst mitgeführtes Tatmittel betrachtet werden.
Innerhalb bestimmter krimineller oder gewaltorientierter Gruppen können zusätzlich Vorstellungen von Stärke,
Status, Gruppenzugehörigkeit, Männlichkeit, Ehre oder Durchsetzungsfähigkeit eine Rolle spielen.
Das ist auch ein Grund dafür, warum Kultur und soziales Umfeld bei der Analyse von Gewalt nicht vollständig ausgeblendet werden dürfen.
Dabei muss man jedoch unterscheiden:
Kultur erklärt Gewalt nicht automatisch.
Gewalt entsteht aus einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren – beispielsweise individuellen Erfahrungen,
sozialem Umfeld, Gruppendynamik, früheren Gewalterfahrungen, kriminellen Strukturen, persönlichen Motiven
und situativen Bedingungen.
„Wer verstehen will, warum ein Mensch ein Messer zieht, darf nicht erst auf die Hand schauen. Er muss verstehen, welche Bedeutung das Messer für diesen Menschen schon vorher hatte.“
Messergewalt und der Blick auf Deutschland
Auch in Deutschland ist Messergewalt ein relevantes Thema. Nach Angaben des Bundeskriminalamtes wurden im Jahr 2024 29.014 Straftaten als Messerangriff erfasst.
Als Messerangriff gilt in der Polizeilichen Kriminalstatistik, wenn ein Messer unmittelbar gegen eine Person eingesetzt oder sein Einsatz angedroht wird. Das bloße Mitführen eines Messers wird nicht als Messerangriff gezählt.
Bei der Interpretation dieser Zahlen ist jedoch Vorsicht notwendig. Die bundesweit einheitliche Erfassung von Messerangriffen besteht erst seit 2020. Das Bundeskriminalamt weist zudem auf Einschränkungen bei der Vergleichbarkeit früherer Erfassungsjahre hin.
Ebenso wenig lässt sich die Entwicklung seriös mit einer einzigen Ursache erklären.
Migration, unterschiedliche kulturelle Prägungen, soziale Lage, Altersstruktur, Geschlecht, kriminelle Milieus,
Gewalterfahrungen, Peergroups und individuelle Lebensgeschichten können Teil eines komplexen Gesamtbildes sein.
Menschen bringen selbstverständlich Erfahrungen, Normen und kulturelle Vorstellungen aus ihren Herkunftsgesellschaften mit. Das kann auch Vorstellungen über Männlichkeit, Ehre, Konfliktverhalten oder Waffen betreffen.
Daraus lässt sich jedoch keine pauschale Aussage über eine Nationalität oder Herkunftsgruppe ableiten. Für Gewaltprävention ist etwas anderes entscheidend:
Wir müssen verstehen, welche Bedeutung Gewalt und Waffen innerhalb eines konkreten Milieus, einer Gruppe oder für einen einzelnen Täter besitzen können.
Nur dann können Präventionskonzepte zielgerichtet entwickelt werden, statt komplexe Gewaltphänomene
mit einfachen Erklärungen zu versehen. Externe Quelle: Bundeskriminalamt – Polizeiliche Kriminalstatistik 2024
Weiterführend: Messer, Selbstschutz und Verantwortung in Deutschland
Die Auseinandersetzung mit Messersystemen darf nicht losgelöst von Recht,
Verantwortung und den möglichen Folgen betrachtet werden. Messer & Selbstschutz in Deutschland – Recht, Gefahr und Verantwortung
Nicht in einzelnen Techniken denken
Eine Technik kann auf einer Trainingsfläche hervorragend funktionieren und unter realem Stress trotzdem scheitern.
Menschen reagieren unterschiedlich.
Stress verändert Wahrnehmung.
Aufmerksamkeit kann sich verengen.
Entscheidungen müssen plötzlich unter erheblichem Zeitdruck getroffen werden.
Manche Menschen gehen nach vorne.
Andere versuchen auszuweichen.
Wieder andere frieren regelrecht ein.
Deshalb interessiert mich heute weniger die Frage:
Welche Technik ist die beste?
Viel wichtiger ist für mich:
Kann ein Mensch unter Druck noch wahrnehmen, entscheiden und handeln?
Und genau deshalb müssen Techniken und Schutzhandlungen zum Menschen passen – nicht der Mensch zu einer Technik.
Selbstschutz muss zum Menschen passen
Weiterführend: Mentale Handlungssicherheit unter Stress
Selbstschutz besteht nicht nur aus Bewegung. Wahrnehmung, Entscheidung, Stressregulation und mentale Vorbereitung bestimmen wesentlich mit, ob ein Mensch unter Druck überhaupt handeln kann. Gladiator Mind – mentale Stärke und Handlungssicherheit
Von PIPER zur Gewaltprävention
Ich unterrichte Gewaltprävention nicht als PIPER-Training. Das sind für mich klar unterschiedliche Bereiche. Aber selbstverständlich prägen Erfahrungen aus solchen Trainings den Blick eines Trainers. Wenn ich heute über
Vorkonfliktphasen,
Täterverhalten,
Opferauswahl,
Aufmerksamkeit,
Körpersprache,
Distanz,
Stressreaktionen
oder Handlungssicherheit spreche, greifen viele Erfahrungen ineinander, die ich über Jahrzehnte gesammelt habe.
Dazu gehören meine beruflichen Erfahrungen im Sicherheitsbereich ebenso wie unterschiedliche Ausbildungen,
Trainings und die Menschen, bei denen ich lernen durfte. PIPER hat mir dabei eine Perspektive besonders deutlich gemacht:
Eine Gewaltsituation kann aus der Sicht eines möglichen Angreifers völlig anders aussehen als aus der Sicht des Menschen, der sich plötzlich verteidigen muss.
Genau dieses Verständnis kann für Prävention wertvoll sein. Denn je früher wir wahrnehmen, dass sich etwas verändert, desto mehr Handlungsmöglichkeiten können uns noch zur Verfügung stehen.
Vom frühen Erkennen zur Schutzhandlung
Für mich ist das der entscheidende Punkt:
Gute Gewaltprävention beginnt nicht mit der letzten Verteidigungshandlung.
Sie beginnt weit davor.
Von individueller Handlungssicherheit zum organisatorischen Gewaltschutz
Gewaltprävention endet nicht beim einzelnen Menschen. Organisationen benötigen klare Schutzkonzepte, Verantwortlichkeiten, Nachbereitung und Strukturen, die Beschäftigte nachhaltig schützen. Gewaltschutz, Resilienz und Schutzkonzepte in Organisationen
Lernen bedeutet auch, seine Lehrer anzuerkennen
Über viele Jahre sammelt man Wissen und Erfahrungen. Dabei kann irgendwann der Eindruck entstehen, alles, was man heute vermittelt, habe man selbst entwickelt. Das wäre bei mir nicht richtig.
Ich hatte und habe Lehrer.
Menschen, die mir Wissen vermittelt haben. Menschen, die meine Vorstellungen infrage gestellt haben. Menschen,
durch die ich einen Sachverhalt plötzlich aus einer anderen Perspektive betrachtet habe.
Und Menschen, die dazu beigetragen haben, dass ich meine eigene Arbeit weiterentwickeln konnte.
Deshalb möchte ich künftig auf meiner Website gelegentlich auch über diese Menschen schreiben. Nicht, um Namen oder Titel zu sammeln. Sondern weil fachliche Entwicklung immer auch eine Geschichte des Lernens ist.
Danke, Konrad
Konrad, deshalb möchte ich an dieser Stelle einfach einmal Danke sagen. Danke für dein Wissen. Danke für deine Erfahrungen.
Danke für die Perspektiven, die ich durch das Training bei dir kennenlernen durfte. Nicht alles, was ein guter Lehrer vermittelt, lässt sich später einer einzelnen Technik oder einem bestimmten Trainingstag zuordnen.
Manches bleibt als Grundgedanke. Als anderer Blick auf Bewegung. Als Frage, die man sich plötzlich stellt.
Oder als Erkenntnis, die Jahre später in einem völlig anderen Zusammenhang wieder Bedeutung bekommt.
Genau solche Erfahrungen sind für mich wertvoll.
„Manche Lehrer vermitteln Techniken. Andere verändern die Art,
wie man ein Problem betrachtet. Zu diesen Lehrern gehörst du für mich.“
Danke, Konrad.
Günther Pfeifer
Häufige Fragen zu PIPER
Woher kommt das PIPER System?
Das PIPER System stammt aus Kapstadt in Südafrika. Seine Entwicklung ist eng mit der Untersuchung
krimineller Messermethoden auf den Cape Flats verbunden. Auch südafrikanische Gefängnis- und Gangkulturen
werden im Zusammenhang mit den untersuchten Angriffsmustern beschrieben.
Wer hat das PIPER Knife System gegründet?
Gründer des PIPER Knife Systems ist Nigel February. Er beschreibt, dass er sich bereits in den frühen 1990er-Jahren mit den besonderen Messermethoden der Cape Flats beschäftigte. Als Gründungsdatum des Systems nennt er selbst den 8. September 1997.
Wurde PIPER in südafrikanischen Gefängnissen entwickelt?
Diese Aussage wäre zu pauschal. PIPER-nahe Darstellungen beschreiben Messermethoden, die innerhalb des südafrikanischen Gefängnissystems vorkamen und auch in der kriminellen Straßen- und Gangwelt der Cape Flats beobachtet wurden. PIPER selbst entstand aus der Untersuchung und Systematisierung realer Angriffsmuster.
Warum beschäftigt sich PIPER mit der Perspektive des Täters?
Um einen Angriff besser verstehen zu können, reicht es nicht immer aus, nur die Reaktion des Verteidigers zu betrachten.
Die Beschäftigung mit Wahrnehmung, Täuschung, Distanz, Bewegung und möglichen Entscheidungsprozessen eines Angreifers kann helfen, Gewaltdynamiken früher zu erkennen.
Dabei geht es nicht darum, Täterverhalten zu übernehmen oder zu verherrlichen, sondern darum, reale Gewalt besser zu verstehen.
Was unterscheidet PIPER von klassischem Messertraining?
PIPER beschäftigt sich stark mit Bewegung, Rhythmus, Täuschung, Distanz, Körpersprache und realen Angriffsdynamiken.
Der Fokus liegt damit nicht ausschließlich auf einzelnen Techniken, sondern auf dem Verständnis des gesamten Ablaufs einer möglichen Gewalthandlung.
Warum ist die Täterperspektive für Gewaltprävention wichtig?
Gewaltprävention beginnt möglichst vor dem körperlichen Angriff. Wer mögliche Grenztests, Annäherungsverhalten, Veränderungen von Distanz, Ablenkung oder ungewöhnliche Verhaltensmuster wahrnimmt,
kann möglicherweise früher handeln.
Das bedeutet nicht, dass sich Gewalttaten sicher vorhersagen lassen. Es bedeutet, dass ein breiteres Verständnis von Gewalt Wahrnehmung und Handlungsmöglichkeiten erweitern kann.
Warum trägt ein Täter ein Messer?
Dafür gibt es keine einzige Erklärung. Ein Messer kann als Werkzeug, Drohmittel, Statussymbol, vermeintlicher Selbstschutz oder bewusst mitgeführtes Tatmittel dienen.
Auch Gruppendynamik, kriminelle Milieus, individuelle Erfahrungen und kulturelle Vorstellungen können eine Rolle spielen. Diese Faktoren müssen jedoch immer differenziert und im konkreten Zusammenhang betrachtet werden.
Wer ist Instructor Konrad Rath?
Instructor Konrad Rath ist ein langjähriger Trainer im Bereich Combatives und Selbstschutz. Er war für
Progressive Fighting Systems in Afrika zuständig und trägt im PIPER System die Bezeichnung PIPER Master Guardian.
Seine frühere Organisation war TFS – Tactical Fighting Systems. Heute arbeitet er unter Instructor Konrad – School of Combatives.
Warum sollte man Systeme wie PIPER nicht verherrlichen?
Weil reale Messergewalt keine sportliche oder romantische Auseinandersetzung ist. Eine Klinge kann innerhalb weniger Sekunden schwerste oder tödliche Verletzungen verursachen.
Die Beschäftigung mit realen Angriffsmustern sollte deshalb dem Verständnis, der Prävention und dem Selbstschutz dienen – nicht der Faszination an Gewalt.
Distanz, Rückzug, Flucht und das frühzeitige Erkennen einer Gefahr haben für mich grundsätzlich Vorrang.
PIPER System – Frequently Asked Questions in English
Where does the PIPER System come from?
The PIPER System originated in Cape Town, South Africa. Its development is closely connected to the study of criminal knife methods associated with the Cape Flats and related gang and prison environments.
Who founded the PIPER Knife System?
The PIPER Knife System was founded by South African martial artist Nigel February. He began studying criminal knife methods on the Cape Flats in the 1990s.
Who is Instructor Konrad Rath?
Instructor Konrad Rath is a long-time combatives and self-protection instructor. He was responsible for Progressive Fighting Systems in Africa and holds the rank of PIPER Master Guardian. He is one of Günther Pfeifer’s instructors in the PIPER System.
Weiterführende Beiträge
Hinweis:
Dieser Beitrag dient der fachlichen Einordnung von Gewaltprävention, Täterverhalten und Selbstschutz.
Er ist keine Anleitung zum Einsatz von Messern oder anderen Waffen. Die Beschäftigung mit realen Angriffsmustern dient hier ausschließlich dem besseren Verständnis von Gefahr, Prävention und verantwortungsbewusstem Selbstschutz.
Günther Pfeifer
IHK-zertifizierte Fachkraft für Gewaltpräventionmit langjähriger Praxiserfahrung in sicherheitsrelevanten Arbeits- und Einsatzbereichen. Entwickler der Gladiator Mind-Methodik, in der Ansätze aus Selbstführung, Stressregulation und praktischer Handlungssicherheit zusammengeführt werden. Thematische Schwerpunkte sind unter anderem Behörden, KRITIS, Jobcenter, Kliniken, Rettungsdienst, ÖPNV, Einzelhandel und Flughäfen.
Als persönliches Mitglied im Verband für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit (VDSI) verbindet Günther Pfeifer seine langjährige Praxiserfahrung in Selbstschutz, Gewaltprävention und Resilienztraining mit aktuellen Entwicklungen im Arbeits- und Gesundheitsschutz. Diese fachliche Vernetzung unterstützt eine praxisnahe Einordnung von Fragen rund um Sicherheit, Prävention und organisationale Resilienz.
Ergänzend hat Günther Pfeifer seine fachliche Auseinandersetzung mit Stressreaktionen, Wahrnehmung und Verhalten durch eine Fortbildung zu Stressphysiologie und Neurobiologie vertieft. Diese Kenntnisse fließen insbesondere in die praxisorientierte Einordnung von Stress, Aktivierung, Wahrnehmung und Handlungssicherheit in Konflikt- und Gewaltsituationen ein.
Ich bin Praktiker, kein Forscher. Meine Aufgabe ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse,
Erfahrungen aus Training und Arbeitsschutz sowie organisatorische Anforderungen in tragfähige Konzepte für reale Konflikt- und Gewaltsituationen zu übersetzen. Wo mein eigener fachlicher Schwerpunkt endet, beziehe ich geeignete Fachquellen und Netzwerke ein.
Meine Arbeit basiert auf der Überzeugung, dass der Mensch im Mittelpunkt wirksamer Gewaltprävention stehen muss. Dazu gehören Wahrnehmung, Stressregulation, Handlungssicherheit,
klare organisatorische Strukturen und die Fähigkeit, unter Belastung Entscheidungen zu treffen. Weitere Informationen zu meiner Arbeit und meinen Schwerpunkten finden Sie auf meiner Autorenseite sowie in der Übersicht Auszeichnungen & Zertifikate
Letzte Aktualisierung: September 2026